Mittwoch, 29. Juni 2011

Leben & Erleben in einer anderen Kultur.

Es sind schon 9 Monate rum und ein bisschen mehr. 9 Monate bin ich hier, in Arequipa, Peru, und lebe hier meinen Alltag am anderen Ende der Welt. Einserseits ist es unglaublich lang, aber es fühlt sich gar nicht so an. Ich gehe arbeiten, wie in Deutschland auch, treffe Freunde, gehe einkaufen, gehe abends weg, habe Salsaunterricht und fühle mich richtig wohl.

Vieles habe ich erlebt, vieles gesehen, so vieles und gleichzeitig so wenig verstanden.

Alltag. Die erste Zeit, die ersten 3 Monate, waren aufregend, spannend, ein bisschen wie Urlaub. Dann kam war er kurz da, der Alltag.  Er hat angefangen, als im Januar die Sommerferien vor der Tür standen, und schwup...war ich auf Reisen, kein Alltag mehr, dabei fing er gerade erst an, dachte ich.Wieder zurück in Arequipa, nach 2 Wochen ungefähr und ich war im Alltag angekommen, im Alltag in einem fremden Land, weit weit weg von Deutschland. 
Vieles ist hier (Straßenverkehr, Essgwohnheiten, Klima, Mentalität...) anders. Aber vieles ist auch gleich, dass merkte ich aber erst nach ungefähr einem halben Jahr oder sogar noch später,ein gutes Beispiel, nicht alle Peruaner sind unzuverlässig und unpünktlich oder die Eltern hier, haben die gleichen Probleme mit ihren Kindern, wie in Deutschland auch.

Die Zeit hier in Peru verfliegt. Die Ausreise naht, mir bleiben noch 10 Wochen in diesem wunderschönen Land. 10 Wochen sind im Vergleich zu 9 Monaten nicht mehr lange. Das bringt die unterschiedlichsten Gefühle mit sich.

...ich habe 9 Monate Frühling erlebt & 9 Monate ohne Jahreszeitenwechsel gelebt.
...ich habe fast vergessen was Regen ist.Vollbild anzeigen
...ich weiß jetzt, wie es ist auf Höhe zu leben. Arequipa liegt auf über 2000 m..Trockene Haut, Nase sind Alltag. Atemnot beim länger Laufen oder Anstregungen
...ich war Raften
...ich habe mind. 5 kleine Erdbeben erlebt.
...ich habe Vulkane gesehen und in einer Vulkanstadt gelebt.
...ich habe Chirimoya, Guaba, Aji, Granadilla, Meerschweinchen und noch viele andere Dinge gegessen, die man  aus Europa einfach nicht kennt oder weniger bekannt sind und diese für ausgesprochen lecker empfunden.
...ich habe Weihnachten zum ersten Mal weit weit weg von meiner Familie bei 25 Grad und dem Anblick von Palmen verbracht.
...kennengelernt was wirkliche "Armut" ist,
...erlebt zu haben, was es heißt "Weiß" zu sein, in einem Land wo die Mehrheit "Dunkel" ist. Man ist reich, man hat Geld, man ist was " Besseres"
..."Rassismus" zwischen eigenen Landsleuten
...man gibt sich hier zur Begrüßung, einen Kuß auf die linke Wange.
...ich durfte die Präsidentenwahlen miterleben.
..Tante -Emma Läden an jeder Ecke, " Tiendas " wie man hier sagt. man bekommt fast alles...von der Zahnbürste & Zahnpasta über Streichölzer, Toilettenpapier, Kaugummi, Alkohol bishin zu kleinen warmen Snacks und das fast zu jeder Tageszeit.

Hier werden Schlüssel gemacht

Ein Schild auf der Straße mit Angeboten, was eine Familie zu verkaufen hat, man klingerlt und sagt, was man haben möchte.

Einer der vielen " Tante-Emma-Läden"
...auch Schlüssel werden auf offener Straße nachgemacht.
..Essenstände, auf offener Straße, es werden Milchreis, Eis, Bonbons, Obst, Fleischspieße, Getränke verkauft, und Hamburger gibts etwa 24 Stunden immer zu kaufen.
...16 Stunden Wasserausfall in Arequipa. Das habe ich 3 Male bisher erlebt, schon doof, man kann sich nicht duschen kann, nicht Zähne putzen, keinen Kaffee kochen kann und und und. nur gut wenn man das vorher weiss, dann konnten wir uns noch ein bisschen Wasser abfüllen.
...in Combis unterwegs zu sein. Das sind hier Busse, die einen von A nach B bringen. Busse die fast auseinanderfallen. Oft sind sie so voll, dass die Türe offen bleiben muss und die Leute an auf den Treppen stehen und los gehts. Geld wird beim Aussteigen abkassiert, es gibt weder einen Fahrplan noch Bustickets, dafür immer Musik von Reaggaeton über Cumbia bis zu deutschem POP " Nena und ihre 99 Luftballons". Das hat Flair.

Innenleben eines Combis
...Straßenhunde an jeder Ecke

...Musik...Cumbia. Reggaeton. & Salsa, ob in einer Tienda, im Supermarkt, im Combi oder sie hallt aus Häusern der Nachbarschaft
...es gibt hier viele Menschen, die traditionell gekleidet sind, die Frauen haben meist geflochtene Zöpfe und tradionelle Röcke an.
...freiliegende Stromkabel zwischen Straßen und Häusern.
...der für mich immer noch chaotische Straßenverkehr und das unnötige Herumgehupe zu jeder Tageszeit.
...ich bin hier so oft Taxi gefahren, wie wahrscheinlich noch nie zuvor, wenn ich alle Fahrten, meines bisherigen Lebens zusammenrechne.
...Die Frauen tragen hier ihre Kinder in einem Tuch herum, die wenigsten haben Kinderwägen.
...Es gibt viele Kinder, die Bonbons oder andere Süßigkeiten auf der Straße verkaufen oder um Geld betteln.

Fast alles das, ist für mich normal geworden, mein Alltag, manchmal aber doch so fremd. Im Laufe der Zeit konnte ich immer Ähnlichkeiten zwischen diesen 2 verschiedenen Kulturen feststellen und anderes ist doch einfach immer noch so anders und vieles werde ich wohl nie verstehen lernen. (zb. gibt es hier Zebrastreifen, die aber immer ignoriert werden, es ist so als gäbe es keinen.

Auch wenn mir der Abschied schwerfallen wird, freue ich mich schon, auf dieses Jahr, diese Menschen, Ereignisse und Erlebnisse irgendwann mit mehr Abstand und dadurch gewonnener Klarheit zurückzublicken und dieses Jahr als wertvollen Abschnittes meines Lebens in Erinnerung zu behalten.


Mittwoch, 15. Juni 2011

Arbeitsalltag. Veränderungen & Highlights.

Jetzt ist es schon wieder über einen Monat her, dass ich euch schreibe, es hat ein bisschen gedauert. Die Zeit rast einfach nur so dahin.
Es gibt einige Neuigkeiten aus der Schule. Die Schule wird seit einem Monat endlich umgebaut und JA! man glaubt es kaum, aber es wurde ein Platz gefunden....wo wir die nächsten 3 Monate verbringen werden, bis zum Ende meines Weltwärtsjahres.  Es wurden 2 Fabriken neben der Schule auf einem Sportplatz aufgestellt. Am Anfang waren wir alle etwas skeptisch, aber mittlerweile, nach 1,5 Monaten lässt es sich in den netten Fabriken auch ganz gut leben.

Sonst, hat sich in der Schule vieles verändert, vieles ist aber auch gleich geblieben.

Unteranderem,  mein Arbeitsleben, es ist nicht immer einfach.

Wenn ich heute in die Schule komme, werde ich sofort von den Kindern sowie von den Eltern begrüßt. Das sehen aber nicht alle meine Kollegen gerne. Mittlerweile hat sich das ein bisschen gebessert, aber leider gibt es immer ein bisschen Neid, was mich traurig macht.
Seit März arbeite ich fest in einer Aula. Ich konnte sehen, wie sich das Verhalten mancher Kinder gebessert hat und das sie besser auf mich hören.


Und trotzdem war und ist der Alltag für mich anstrengender als gedacht und leider oft auch sehr unbefriedigend.
Ein Grund dafür ist Inkonsequenz und Motivation der anderen Lehrer.

Ich versuche mit allen konsequent zu sein, bekomme aber leider keine bzw. nur sehr selten und wenig Unterstützung. Dazu kommt, dass ich versuche, dass die Kinder beschäftigt sind, es ihnen gut geht und sie Spaß haben,
5 min. später, bekomme ich zu hören, wir machen jetzt etwas anderes. Das ist oft sehr frustierend, vor allem weil sie dann noch mind. 10 Min. brauchen, bis sie dann wirklich Dinge anfangen, die Kinder hauen ab, und werden dann mit "setz dich hin angeschrien" oder " Das machst du schlecht". schlecht, schlecht, schlecht. Es ist eine staatliche schule, und das ist Alltag hier in Peru, leider.

Es gibt auch noch etwas Positives zu berichten, seit 3 bis 4 Wochen, kann ich beobachten, dass meine Kollegen, was den Umgang mit den Kindern betrifft, einiges von mir angenommen haben, was mich sehr freut zu sehen.

Nach 9 Monaten die ich jetzt hier bin, kann ichsagen, dass die Freuden meines Arbeitsalltags aus kleinen Dingen bestehen, nämlich, wenn die Kinder Spaß haben, Lachen, angelaufen kommen und einfach zufrieden sind.



So nun ein paar Highlight aus den letzten Wochen :

Es hat eine Olymipiade für Kinder mit Behinderung stattgefunden, an dem haben fast alle Schulen aus Arequipa teilgenommen. Meine Schule " Paul Harris" hat dabei super abgeschnitten, und den 2. Platz von 
10 Plätzen belegt.


                        


                                         



Wir hatten eine Fiesta "Inicial". Ich arbeite seit März mit den kleinen Kinder zwischen 2 und 7 Jahren, was bedeutet, dass ich in Incial arbeite. Aus diesem Anlass hatte unsere Aula eine Fiesta vorzubereiten, zu der alle anderen Aulen bzw. Kinder eingeladen waren. 1 Woche lang, Vorbereitungen...und Vorbereitungen....aber das Fest war gut gelungen und alle Kinder hatten viel Spaß.
Ich muss auch sagen, auch wenn hier, in meiner Schule, fast nichts organisiert wird, Feste werden immer gut organisiert und alle Kinder haben immer viel Spaß.

Fiesta ! In einer der beiden aufgestellten Fabriken haben wir gefeiert.
                        


                                      


                                                       




Ich arbeite in "Cerro Colorado", ein Viertel in Arequipa. Im Mai, an einem Sonntag, war Aniversario bzw. Geburstag von Cerro Colorado, und unsere Schule war zum "Desfile" = Marsch eingeladen. Alle Schulen in Cerro Colorado waren eingeladen. Alle Schüler kamen in ihrer Schuluniform und die Lehrer hatten sich auch extra dafür passende Kleidung anfertigen lassen. Nach dem "Desfile, gab es für alle Kinder Süßes, Luftballons und alles was zu einem Fest für Kinder gehört.

Plaza Las Americas
                               


Desfile
              


Spaß für Kinder nach dem Desfile
                                         
Kollegen in Uniform

Eine Woche wurde "Aniversario" gefeiert. In Cerro Colorado war noch ein kleiner Rummel für die Kinder aufgestellt und das alles ganz umsonst. Also machten wir uns an einem Morgen auf dem Weg zum Rummel.
Ein paar Bilder bleiben euch nicht vorenthalten.








Noch eine kleine Info zum Schluß : Es haben Präsidentenwahlen in Peru stattgefunden, ich berichte euch die nächsten Tage ausführlicher, In diesem Sinne...Hasta Pronto !